Zur Ernährung bei Endometriose kursieren zahlreiche Ernährungstipps: weniger Zucker, kein Gluten, keine Milchprodukte oder möglichst entzündungshemmend essen. Doch was davon ist wissenschaftlich belegt und welche Einschränkungen sind wirklich sinnvoll? Wir zeigen dir, was die aktuelle Studienlage zur Ernährung bei Endometriose sagt und wie du deinen Körper mit einer ausgewogenen Ernährung unterstützen kannst.
Was ist eine Endometriose?
Bei einer Endometriose befinden sich Gebärmutterschleimhautzellen ausserhalb der Gebärmutter, meist im Beckenraum. Sie können oberflächlich auf anderen Organen liegen oder tiefergreifend in Organe „eindringen“. Bei der Adenomyose liegen sie in der Muskelschicht der Gebärmutter.
Studien zeigen, dass das Ausmass der Beschwerden nicht mit dem Schweregrad der Krankheit übereinstimmt. Bei bis zu 50 % der Betroffenen bestehen keine Symptome. Haben Betroffene Beschwerden, zeigen sich diese oft zyklisch und können sehr vielseitig sein:
- Schmerzen bei der Menstruation, beim Stuhlgang, Urinabsatz, Geschlechtsverkehr oder dem Eisprung
- Unregelmässige Blutungen
- Verdauung: Blähungen und diverse Verdauungsbeschwerden (unabhängig von Darmendometriose)
- Ausgeprägte Müdigkeit
- Unfruchtbarkeit
- usw.
Ungefähr 8 – 12 % der Frauen im gebährfähigem Alter sind von Endometriose betroffen. Wie es zur Erkrankung kommt, ist noch unklar. Die Medizin hat diverse Hypothesen zur Entstehung: Die meisten zielen darauf ab, dass die Gebärmutterzellen „verschleppt“ werden, z.B. durch eine Operation, eine „umgekehrte“ (retrograde) Menstruation, wo das Blut über die Eileiter in den Bauchraum fliest oder die Verbreitung über das Lymphsystem. Eine andere Hypothese ist die Umwandlung der Zellen (Metaplasie). Genetische Voraussetzungen könnten ebenfalls eine Rolle spielen.
Die Diagnose zu stellen ist schwierig und benötigt diverse medizinische Abklärungen. Oft dauert es für Betroffene Jahre, bis es zur Diagnose kommt.
Die medizinische Therapie ist sehr vielschichtig und individuell. Sie zielt vor allem auf die Elimination der Endometriose und der Symptombekämpfung ab. In der Schweiz gibt es eine Selbsthilfegruppe für Betroffene: Endohelp. Dort können sich Betroffene untereinander austauschen, Erfahrungen sammeln, Kontakte herstellen und an Fachpersonen verwiesen werden.
Endometriose und Ernährung
Die aktuellen Leitlinien zur Ernährung bei Endometriose empfehlen eine vitamin- und nahrungsfaserreiche Ernährung, wie bei der Mediterranen Ernährung. Diese hat zudem entzündungshemmende Eigenschaften und gilt aktuell als Goldstandard in der Ernährungstherapie bei Endometriose. Je vielseitiger die Lebensmittelwahl, desto besser die Nährstoffabdeckung.
Lebensmitteleinschränkungen, die nicht auf einer Unverträglichkeit basieren, sollten vermieden werden und spezifische Diäten sind nicht empfohlen.
Die Mediterrane Ernährung
Die Mediterrane Ernährung empfiehlt eine abwechslungsreiche Ernährung mit folgenden Komponenten:
- Stärkebeilage/Kohlenhydrate (3 Portionen pro Tag). Dazu gehören beispielsweise Reis, Teigwaren, Kartoffel, Quinoa, Bulgur, Brot, Haferflocken usw. Sie liefern uns wichtige Energie, diverse Mikronährstoffe und sind wichtig für die Nahrungsfaserzufuhr.
- Protein (3 – 4 Portionen pro Tag)
Dazu gehören beispielsweise Milch- und Sojaprodukte, Hülsenfrüchte, Eier, Fisch, Fleisch. Hülsenfrüchte sollten sicherlich 1x pro Woche dabei sein und Fleisch bis zu 2 Portionen pro Woche. Achte auch hier auf gute Abwechslung - Gemüse oder Früchte (2 Portionen Früchte und 3 oder mehr Portionen Gemüse pro Tag)
Sind wichtige Vitamin- und Ballaststofflieferanten. Hier gilt: Je farbiger desto besser - Fette und Öle (ca. 2 EL Öl pro Tag + 1 Hand voll Nüsse/Kernen pro Tag)
Bevorzugt aus pflanzlichen Quellen mit hohem Anteil an mehrfachungesättigten Fettsäuren (Omega-3), z.B. Rapsöl und Baumnüsse enthalten einen hohen Anteil - Energiefreie Flüssigkeitszufuhr (1.5 – 2 L pro Tag)
Dazu zählen z.B. ungesüssten Tee und Kaffee, Wasser - Süsses, Salziges, Alkoholisches (max. 1 Portion pro Tag)
Hierzu zählen Süssgetränke, Schokolade, Chips, Güetzi, Glace, Alkohol usw.
Die Portionen können individuell am Bedarf angepasst werden. Als gute Faustregel gilt: 1 Portion = 1 Handvoll.
Was ist mit spezifischen Ernährungsempfehlungen?
Frauen mit Endometriose kommen mit vielen Informationen bezüglich Ernährung in Kontakt. Teilweise wird auch von Fachpersonen empfohlen z.B. auf Kuhmilch, Zucker, rotes Fleisch oder Gluten zu verzichten. Studien konnten bisher nicht belegen, dass diese Lebensmittel direkt einen negativen Einfluss haben. Ein Verzicht auf Lebensmittel ohne Indikation sollte unbedingt vermieden werden. Die Lebensmittel müssen differenzierter betrachtet werden. Bei Beschwerden auf Weizenprodukte sind häufig nicht Gluten, sondern andere Weizenbestandteile ursächlich. Ein Verzicht darauf „ohne Grund“ oder aus Unklarheiten, was genau Beschwerden auslöst, kann nebst sozialen Einschränkungen auch Einfluss auf die Nährstoffabdeckung haben. Weizenprodukte liefern beispielsweise diverse Mikronährstoffe (z.B. B-Vitamine, Magnesium usw.), sowie wichtige Nahrungsfasern. Auch Milchprodukte und Zucker sind nicht per se „entzündungsfördernd“ und sollten nicht grundsätzlich gemieden, sondern im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung konsumiert werden.
Leidest du unter Verdauungsbeschwerden?
Frauen mit Endometriose leiden dreimal häufiger an einem Reizdarm. Falls du bemerkst, dass die gewisse Lebensmittel Beschwerden verursachen oder du immer wieder Verdauungsbeschwerden hast, wende dich unbedingt an eine Ernährungsfachperson.
Bei Reizdarm kann nebst der Mediterranen Ernährung auch eine Reduktion von diversen Zuckerarten (FODMAP’s) symptomlindernd sein. 60 % der Frauen mit Endometriose und dem Symptom von Verdauungsbeschwerden zeigten durch die Ernährungsumstellung eine Verbesserung.
Fazit Ernährung bei Endometriose
Die Studienlage ist aktuell noch zu divers und uneindeutig, dass spezifische Empfehlungen bei Endometriose generalisiert ausgesprochen werden können. Halte dich daher lieber an eine ausgewogene Mediterrane Ernährung, welche entzündungshemmende Eigenschaften hat, deine Darmbakterien positiv beeinflusst und dich gut mit allen Nährstoffen abdeckt. Falls du an Verdauungsbeschwerden leidest, wende dich unbedingt an eine Ernährungsfachperson und vermeide selbstgewählte / allgemein empfohlene Einschränkungen, die bei dir vielleicht gar nicht den gewünschten Effekt bringen.
Wir unterstützen dich gerne bei der Umsetzung, der für dich passenden Ernährungsform.
Quellen
- S-2 Leitlinie Diagnostik und Therapie der Endometriose (2025)
- Nicht veröffentlichtes Weiterbildungsmaterial zu Endometriose vom 05.06.2026:
- Vortrag Ernährungstherapie bei Endometriose_ Beatrice Schilling
- Vortrag medikamentöse Therapie bei Endometriose_ Dr. Metzler
- Vortrag Endohelp_Jana Schmid
